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Schweizer Versicherung vom 26.02.2010
Matthias Niklowitz, 6830 Zeichen
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Rückversicherungsbranche: Einblicke von aussen
 
Eine Befragung unter europäischen Erstversicherungen ergab interessante Einblicke in die Rückversicherungsbranche. Etliche Antworten weisen auf gewisse Diskrepanzen bei den Einschätzungen zu Preisen und Kapazitäten hin.
 
Was sehen Erstversicherer, wenn sie mit Rückversicherungen sprechen und über Verträge feilschen? Und was sehen Analysten, wenn sie an einschlägigen Branchentreffen mit Erst-, Rückversicherern und Brokern sprechen?

Bei Morgan Stanley beispielsweise befragt man jährlich einige grosse europäische Erstversicherungen über ihre Erfahrungen bei den Erneuerungsverhandlungen. Diese Erstversicherungen zählen zu den grössten Konzernen und damit zu den wichtigsten Kunden der Rückversicherungsbranche. Gerade zur Preisentwicklung machen diese Erstversicherungen Aussagen, die in wichtigen Details anders ausfallen als die Erklärungen von Rückversicherungen.

Preise sind rückläufig

«Haben sich die Preise der Rückversicherungen für 2010 bewegt?», war die erste Frage. «Die Mehrheit der Befragten sah über alle Geschäftslinien einen Rückgang bis zu 5 Prozent.». Das stellt einen gewissen Kontrast zu 2009 dar, als die Preise quer durch alle Linien um bis zu 5 Prozent gestiegen waren. Die Profitabilität des Rückversicherungsgeschäfts dürfte damit 2010 auf das Niveau von 2008 zurückfallen. Am ehesten lassen sich im Bereich Auto-Rückversicherungen Preiserhöhungen durchsetzen.
Erstversicherungen spüren in etlichen Bereichen die Auswirkungen der Krise – Kunden brauchen weniger Versicherungsleistungen, weil sie von Häusern in Wohnungen umziehen oder den Drittwagen stilllegen. Wie hat das wirtschaftliche Umfeld das Rückversicherungsprogramm 2010 beeinflusst? «Grosso modo blieben die Rückversicherungsprogramme unverändert», sagen die Analysten, wobei die meisten Erstversicherungen dennoch kleinere Veränderungen vornahmen. «Wir managen den Risikoappetit, das Pricing ist sekundär», kommentierte ein Erstversicherer.

Risikosyndizierung

Und wie hat das preisliche Umfeld die Höhe der Risikosyndizierung, den Umfang des Broker-Volumens bzw. das beanspruchte Volumen beeinflusst? «Hier sahen wir keine materiellen Veränderungen gegenüber dem Vorjahr», fassen die Analysten die Aussagen der Erstversicherungen zusammen. Die Höhe der Risikosyndizierung und der Umfang des Broker-Volumens blieben auf der Höhe des Vorjahres und unabhängig von der Preisstellung. Das Volumengeschäft dagegen scheint etwas zurückgegangen zu sein. Diese Aussagen sind auch deshalb bemerkenswert, weil einige grosse Rückversicherungen für 2009 eine Konsolidierung vorausgesagt hatten, die speziell die Bermuda-Gesellschaften treffen würde.
Wie viele Rückversicherungen haben 2010 versucht, ihre Preise gegenüber 2009 zu erhöhen? «Es ist kaum überraschend, dass dies nur wenige Rückversicherungen versucht haben», sagen die Analysten zu den Antworten des Surveys. «Rückversicherungen sind zwar auf dem Weg, ihre Preise zu verbessern, aber der Umfang der Kapazitäten reguliert den Markt», schrieb ein Erstversicherer als Kommentar. Es ist demnach genug Kapazität auf dem Markt, aber die Rückversicherungen versuchen nicht um jeden Preis, Verträge abzuschliessen, und Profitabilität scheint oft Vorrang vor Volumen zu haben.

Bilanzrisiken besser prüfen

Was haben Erstversicherungen unternommen, um die Bilanzrisiken der Rückversicherer zu überprüfen, und zwar über das hinaus, was die Rating-Agenturen ermitteln? Von den grossen Rückversicherungen hatte die Swiss Re einigermassen spektakulär das AA-Rating verloren und in der Finanz- und Wirtschaftpresse gab es seither einige Berichte über die möglichen negativen Konsequenzen. «Wir sahen hier einen klaren Trend zu zusätzlichen Massnahmen, die Erstversicherungen unternommen hatten, um die Bilanzrisiken der Rückversicherungen über das von den Rating-Agenturen vermittelte Mass hinaus zu prüfen», sagen die Analysten zu den Feedbacks der Erstversicherungen.
Ein Fünftel der Versicherungen unternahm «mehr», zwei Fünftel «sehr viel mehr». «Natürlich machen wir das», war ein Kommentar, «wir haben unser eigenes internes Team, das alle Gegenpartei-Ratings einfach als Teil einer Review prüft», gab eine zweite Erstversicherung zu Protokoll. «Unsere Gruppe unterhält ein eigenes Team, das sich die Sicherheiten der Rückversicherungen und ihrer CDS-Spreads sehr genau anschaut», liess eine dritte verlauten.
Eine mögliche Konsequenz einer solch vertieften Prüfung von Erstversicherungen ist eine Erhöhung der Kapitalunterlegung bzw. der Sicherheiten durch die Rückversicherungen. Zwei Drittel der Erstversicherungen beantworteten die entsprechende Frage, ob dies nötig sei, mit: «Ja, bei einigen.» Laut den Analysten ist das ein Hinweis, dass «einige Befürchtungen über die Gegenparteirisiken weiter vorhanden sind.» Das trifft aber nicht generell für alle Rückversicherungen zu, sondern vor allem auf Fälle, in denen ein Erstversicherer ein nennenswertes Risiko mit
einer einzigen Rückversicherung hat. «Das hängt auch immer davon ab, wie das Risiko der Gegenpartei eingeschätzt wird bzw. von der Grösse der Risiken, die weitergegeben werden», erklärte ein Erstversicherer. «Und wenn eine Rückversicherung nicht mehr auf unserer üblichen Liste steht und/oder ein bedeutendes Risiko besteht, würden wir gewisse Sicherheiten verlangen», fügte ein zweiter Erstversicherer an.

Attraktiver Risikotransfer

Trendy sind wieder einige alternative Formen des Risikotransfers wie ILS oder ILW. Wie leicht sind diese zu erhalten und wie stark werden sie von Erstversicherungen nachgefragt? «Ein klarer Trend der Erneuerungsrunde 2010 ist, dass diese Formen des Risikoschutzes wieder leichter erhältlich sind als im letzten Jahr», sagen die Analysten. «Aber die Versicherungen kommentieren, dass die Preise wenig attraktiv sind und die traditionelle Rückversicherung immer noch billiger ist.»
Ähnlich lauten die Kommentare der Erstversicherungen: «Leicht erhältlich, aber nicht unbedingt zu attraktiven Preisen», fügte eine an; «immer noch teurer als die traditionelle Rückversicherung», meinte eine andere Erstversicherung. Damit besteht ein Kontrast zur Sichtweise, welche die Rückversicherungen zur Attraktivität dieses Marktes vermitteln und der Sicht der Erstversicherungen als potenzielle Kunden für diese Formen des Risikotransfers.
Und auch Solvency II wirft seine Schatten. Bewirkt das Regelwerk zur Solvabilität bei Erstversicherungen eine andere Auswahl ihrer Rückversicherungen? Und werden damit Rückversicherungen, die sich hier anstrengen, besonders belohnt? «Alle Erstversicherungen gaben an, dass Solvency II die Art und Weise nicht beeinflusse, wie sie Rückversicherungsleistungen einkaufen», beobachteten die Analysten nach den Auswertungen der Antworten. «Es ist noch zu früh, das zu beurteilen, aber es wird bestimmt einen Einfluss auf die Versicherung von Katastrophen und von Tail-Risiken haben», meinte eine Erstversicherung, «wir erwarten keine materiellen Auswirkungen», eine zweite.

 
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