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Schweizer Versicherung vom 29.01.2010
Matthias Niklowitz, 4097 Zeichen
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Versicherungspreise: Südlich von null
 
Im laufenden Jahr dürften die Preise generell zurückgehen. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen zweistellige Preissteigerungen zu erwarten sind.
 
Etliche Analysten haben zu Jahresbeginn mit verschiedenen Londoner Versicherungen gesprochen wie Catlin, Hiscox, Brit, Max at Lloyd’s, Talbot, XL, aber auch mit Ratingagenturen wie S&P, Rückversicherungsbrokern wie Guy Carpenter und Willis, Intermediären wie Aon Benfield sowie Verkäufern von Rückversicherungsleistungen (Munich Re) und einem wichtigen Käufer, der Zurich Financial Services. «Der Markt zeigt eine klassische Schwäche», sagt Brian Shea, Experte bei der Bank of America. «Die Januarrunde bei den Rückversicherungen könnte einen Rückgang von bis zu 10 Prozent erleben, wenn wir auf die Ergebnisse unserer Gespräche abstellen», ergänzt auch sein Kollege Jay Gelb von Barclays Capital. William Hawkins von Keefe, Bruyette & Woods hielt Anfang Januar ebenfalls eine Konferenz ab und erwartet einen Rückgang um 5 Prozent. Im Januar werden etwa 70 Prozent der Rückversicherungsverträge erneuert, und bis die Tinte auf den Verträgen getrocknet ist, bleibt offen, ob sich das Niveau der ersten Preise noch verändert – insbesondere bei volatilen Themen wie Terrorismus-Versicherungen (siehe Tabelle).

Als Messlatte für die Branche gilt immer noch das Jahr 2008, weil im 2009 gesamthaft Preiserhöhungen zwischen 5 und10 Prozent durchgesetzt werden konnten. Allerdings handelt es sich hier um Nominalpreise, und wenn man die Faktoren Inflation und Zinsniveau berücksichtigt, fällt der Vergleich weniger schmeichelhaft aus. «Das ist ziemlich enttäuschend, wenn man sich vergegenwärtigt, was die Versicherungsindustrie noch im Sommer 2009 erwartet hatte», resümiert Shea.

Keine Schlussverkäufe

Für die ganze Industrie gelten die gleichen Rahmenbedingungen: Das Kapital ist, wo erforderlich, wieder aufgestockt worden, und es gibt offenbar keine «Schlussverkäufe». Bereits vor 2009 zeigte das Underwriting Schwächen, aber die Hurrikan-Saison von 2008 sowie die Kapriolen auf den Finanzmärkten hatten die Preise noch gestützt. 2009 war aufgrund des El-Nino-Effektes ein sehr ruhiges Hurrikanjahr mit entsprechenden Folgen für die Preise. «Allerdings bezeichneten es etliche Experten als enttäuschend, dass sich der Markt dem Einfluss der tieferen Zinsen auf die Profitabilität nicht angepasst hat», sagt Shea weiter. Ein Rückgang der Zinsen um einen Prozentpunkt führt typischerweise zu einer Preisreduktion von 4 Prozent bei Erstversicherungen und etwas mehr bei Rückversicherungen.
Allerdings entwickelt sich das Preisniveau nicht überall in die gleiche Richtung. «Am meisten unter Druck ist das Schadengeschäft», fasst Shea seine Beobachtungen zusammen. Im Vergleich zu den letzten Zyklen seien die Risiken und die Unsicherheiten die gleichen geblieben. «Auch die gemachten Fehler sind die gleichen geblieben.»

Profitable Katastrophen

Am anderen Ende steht das Katastrophengeschäft. Hier bewegt sich das Niveau auf der Höhe historischer Spitzenwerte. Denn seit 2001 ist das Preisniveau vor allem modell- und nicht marktgetrieben, was die Preise auf einem «vernünftigen» Niveau stabilisiert hat, wie sich die Experten ausdrücken. Mit den Hurrikanen Katrina, Rita und Wilma von 2005 sowie Gustav von 2008 verbesserten etliche Versicherungen ihre Modelle und das Verständnis dafür, wie sich diese Ereignisse auf ihre eigenen Bücher und das Kapital durchschlagen. Deshalb erachten Experten das US-Katastrophengeschäft als das profitabelste für 2010, auch wenn hier das Preisniveau leicht fallen sollte.
Unterschiedlich ist auch die Preisdisziplin. Bei den Rückversicherungen ist jetzt eine grössere Preisdisziplin zu sehen als bei den Erstversicherungen. In den vergangenen Zyklen war es noch umgekehrt. «Bei den Erstversicherungen ist offenbar der Wettbewerbsdruck grösser», sagt Shea. «Sie halten offenbar auch länger an der Praxis fest, Risikoschutz unter ihren eigenen Preisen zu verkaufen.» Einig ist man sich in der ganzen Industrie, dass sich das Risikomanagement – auch dank Solvency II – verbessert hat und dass das stabile Preisgefüge in der Rückversicherungsbranche ein Nebeneffekt der besseren Übersicht über die Industrie ist.

 
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