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Schweizer Versicherung vom 29.01.2010 Matthias Niklowitz, 4481 Zeichen |
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| Trends: Heikle Hausaufgaben |
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| Für 2010 steht die Versicherungsbranche vor einigen Herausforderungen. Deren erfolgreiche Handhabung dürfte für den Erfolg oder Misserfolg mitentscheidend sein. |
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Für die Versicherungsbranche dürfte 2010 in einem gewissen Gegensatz stehen zum abgelaufenen Jahr. Dies jedenfalls glauben die Analysten von Morgan Stanley. Die wichtigsten Veränderungen für die Branche betreffen zunächst Merger und Akquisitionen: Im Jahr 2009 sah man eine Reihe von Firmenverkäufen – Allianz verkaufte die Dresdner, Aegon und Prudential stiessen das Geschäft in Taiwan ab, Aviva jenes in Australien und Standard Life verkaufte seine Banksparte. Zukäufe wurden vor allem von Sachversicherungen getätigt; beispielsweise kaufte die Zurich von AIG das US-Auto-Direktversicherungsgeschäft, die Vienna Insurance Group übernahm die Versicherungssparte der Ersten Bank. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass jetzt etliche Versicherungen in kleineren Schritten ihre Positionen in aufstrebenden Märkten festigen. In reifen Märkten würden sie dort zulangen, wo sich Banken ihrer verbleibenden Versicherungsbereiche entledigen möchten.
Aber 2010 wird auch ein Schlüsseljahr auf dem Weg zur Solvency-2-Regelung werden. Obwohl einige Details wie die Liquiditätsprämienregel umstritten sind, dürfte der politische Druck so stark sein, dass Solvency-2 im Jahr 2012 eingeführt werden wird. Für den Sommer 2010 sind Ergebnisse der fünften «Quantitative Impact Study» fällig – dieser «QIS5»-Bericht bildet einen wichtigen Test auf dem Weg zu Solvency-2. Etliche Versicherungen werden sich wahrscheinlich mit ihren lokalen Regulatoren über die Tauglichkeit der jeweiligen internen Modelle unterhalten. Laut Swiss Re dürften auch die Zinsen wieder steigen. Die Notenbankchefs haben erst Anfang November eine weitere Verlängerung der Tiefzinsphase angekündigt. Trotzdem gilt, wenn die Zinsen einmal steigen, und die Bondmärkte pflegen das vorwegzunehmen, dann leiden die meisten Versicherungen. Aufgrund der fehlenden zeitlichen Übereinstimmung von Assets und Verpflichtungen bilden die Lebensversicherungen eine Ausnahme. Aber nur dann, wenn die Zinsen ganz gemächlich anziehen.
Sanierungsmassnahmen
Bei den Banken waren Kapitalerhöhungen im Jahr 2009 eher die Regel als die Ausnahme. Im Gegensatz hierzu stehen Versicherungen. Lediglich Aegon und ING mussten neue Aktien ausgeben, um ihre Bilanzen zu sanieren. Banken haben oft ihr Tier-1-Kapital gestärkt und das Tier-2 Kapital restrukturiert. Versicherungen haben hingegen oft zu Hybridkapital gegriffen. Den Versicherungen stehen allerhand Umbauarbeiten bevor, sollten Regulationsbehörden ihre Idee umsetzen, die Kapitalstrukturen im ganzen Finanzsektor zu harmonisieren. Dividenden könnten wieder die Regel sein. Im 2009 mussten viele Unternehmen Dividendenkürzungen vornehmen; Ausnahmen bildeten etwa Munich Re, Prudential, Standard Life oder VIG. 2010 könnte es zu einem Anstieg um 10 Prozent über alle Versicherungen kommen. Von AXA und Zurich F.S. kamen bereits entsprechende positive Signale. Und als Erste hat Munich Re wieder ein Aktienrückkaufprogramm von 1 Milliarde Euro angekündigt. Ob wieder Dividenden bezahlt werden können, hängt auch von den Preiszyklen und den Risiken ab. Für Sachversicherungen sind die rekordtiefen Zinsen ein Problem. Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks können in vielen Bereichen die erforderlichen Preiserhöhungen am Markt nicht durchgesetzt werden. Seit 2008 haben Banken und Versicherungen ihre Risiken tendenziell abgebaut. Ein Extrembeispiel ist Swiss Re, wo gleich das ganze Firmenbondportfolio abgesichert wurde. 2010 könnte das Jahr des Wiederaufbaus sein, wobei jetzt das Problem eher auf der Kredit- und weniger auf der Preisseite der Assets liegt. Und 2010 dürfte wieder neue Strukturen bringen. Vor allem bei den Variable-Annuity-Versicherungspolicen (VA) dürften einige Umstrukturierungen bevorstehen. Insbesondere bei US-Versicherungen hatten sich die Absicherungsprogramme als unzweckmässig erwiesen – sie waren eher auf das Hedging der Volatilität als auf das Delta-Hedging ausgerichtet. Zudem gab es oft Probleme, weil gar kein Hedging vorgenommen worden war. Morgan-Stanley-Analysten vermuten, dass Hedging eher aus Buchhaltungsgründen vorgenommen wurde als aufgrund wirtschaftlicher Risiken. VA-Produkte sind dennoch nicht am Ende. Zwar ist in den USA der «Export» nach Europa aufgrund der Probleme mit diesen Produkten ins Stocken gekommen, trotzdem dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis diese in Europa verbreitet werden, glauben die Analysten von Morgan Stanley. Aber das dürfte erst nach 2010 der Fall sein.
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